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Institut für energetische Körperarbeit und Kreativität
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Institut für energetische Körperarbeit und Kreativität


Das Jahr 2017 und die erste Jahreshälfte 2018 waren eine intensive, dichte und fruchtbare Zeit für unser Institut und auch für mich persönlich. Die aktive Teilnahme am Europäischen Shiatsu-Kongress in Wien im Herbst 2017 mit vielen Begegnungen mit Shiatsu-Praktizierenden und Lehrern aus aller Welt, die Durchführung einer Studie „Shiatsu als Weg in eine Achtsamkeitspraxis“ in Zusammenarbeit mit Prof. Kohls von der Fachhochschule Coburg, die Vorbereitung und Durchführung des Shiatsu-Kongresses in Berlin im Mai und einiges mehr hat eine große Fülle an Erfahrungen eröffnet.


Pilotstudie: Shiatsu als Weg in eine Achtsamkeitspraxis

In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Coburg hat die Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland (GSD) eine Pilotstudie zum Thema „Shiatsu als Weg in eine Achtsamkeitspraxis“ durchgeführt. Im Shiatsu spielt die Achtsamkeit – sowohl die der BehandlersIn wie auch die der KlientIn – eine zentrale Rolle. Eine achtsame Atmosphäre und achtsame, respektvolle Berührungen helfen der KlientenIn, sich zu entspannen und auch in der Tiefe berühren zu lassen. Je achtsamer die KlientIn selbst mit sich und den Berührungen umgeht, desto mehr wird die Behandlung zur Begleitung, desto mehr ist die KlientIn selbst an dem in ihr stattfindenden Prozess beteiligt; je feiner seine Wahrnehmung in Bezug auf die subtilen, in ihm ablaufenden Lebensbewegungen und Lebensprozesse, desto mehr kommt sie in Kontakt mit ihrem Körper, aber auch mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen. Es macht also Sinn, so war unser Ansatz, den Shiatsu-KlientInnen einen Weg in den Zustand der Achtsamkeit zu zeigen. Erstens fallen die Berührungen dann auf fruchtbareren Boden und zweitens geben die angeleiteten shiatsuspezifischen Achtsamkeitsübungen (die Übung der Vier Anker) der KlientenIn die Möglichkeit, eigenständig zu üben und so den Veränderungsprozess zu unterstützen und nach Abschluss der Behandlungen aus eigener Kraft weiterzuführen.


Die hohe Wirksamkeit der aus dem frühen Buddhismus stammenden Achtsamkeitsübungen, die in unserer Gesellschaft unter dem Namen MBSR (Mindfulness based stress reduction, achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) bekannt geworden sind, konnte in vielen weltweit durchgeführten Studien nachgewiesen werden. Es lag also nahe, die Wirksamkeit von Shiatsu in Kombination mit shiatsuspezifischen Achtsamkeitsübungen mit der von MBSR zu vergleichen. Die Probanden waren Menschen in psychischen Krisen, die auf einen Platz in einer Psychotherapie oder den Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik warteten. Jeder Proband bekam acht Shiatsu-Behandlungen, meist im Abstand von einer Woche, und füllte vor der ersten, nach der vierten, nach der achten Behandlung sowie vier Wochen nach Abschluss der letzten Behandlung einen Fragebogen aus, mit dessen Hilfe das subjektive Stressempfinden, das psychische Wohlbefinden, die Burnout-Gefährdung, die generelle Achtsamkeit und der achtsame Umgang mit sich selbst erfasst wurden. Die ausgemachten Behandlungstermine wurden mit annähernd 100 % eingehalten.


Ergebnisse

In unserer Pilotstudie konnte nachgewiesen werden, dass das subjektive Stressempfinden sowie die Burnout-Gefährdung im gesamten Messzeitraum kontinuierlich abgenommen haben, während gleichzeitig das psychische Wohlbefinden, die generelle Achtsamkeit und der achtsame Umgang mit sich selbst kontinuierlich angestiegen sind. Bemerkenswert war, dass sich ein deutlicher positiver Effekt schon nach den ersten vier Behandlungen eingestellt hat, der auch vier Wochen nach Beendigung der Behandlungen noch anhielt. Im Vergleich zu MBSR konnte nachgewiesen werden, dass Shiatsu in Kombination mit der Übung der Vier Anker in Bezug auf alle gemessenen Parameter in seinen Wirkungen deutlich überlegen ist.


Bedeutung der Ergebnisse

Achtsamkeitsübungen sind hochwirksam, brauchen aber eine längere Zeit, bis sich die Wirkung einstellt. Sie stellen einen relativ hohen Anspruch an den Übenden, der während des Acht-Wochen-Programms fünf Mal die Woche eigenständig üben soll. Die achtsame Berührung im Shiatsu erleichtert es der KlientenIn, seinen Körper und sich in seinem Körper zu spüren und damit in den Zustand der inneren Sammlung und Gedankenfreiheit zu finden. Die schnell eintretende Wirkung verstärkt die Motivation, diesen Weg weiterzugehen. Das dürfte dazu führen, dass mehr Menschen erreicht werden können. Achtsamkeitsübungen wie auch die Kombination von Shiatsu mit Achtsamkeitsübungen (Vier Anker) wirken auf das gesamte Körper-Geist-Seele-System des Menschen und helfen damit bei allen Erkrankungen und Störungen, deren Ursache in einer Unausgewogenheit des Systems zu suchen ist. Genau diese Störungen sind aber von der Schulmedizin nur schwer und mit großen Kosten verbundenem Aufwand zu behandeln. Die regulativen Maßnahmen der Schulmedizin sind aufwendig und teuer, während eine funktionierende Selbstregulation keine Kosten verursacht. Sollte es also gelingen, in einer größeren Studie nachzuweisen, dass Shiatsu mit Achtsamkeit die Selbstregulation fördert, dann könnte das nicht nur vielen Menschen viel Leid ersparen, sondern auch den Kostenträgern viel Geld. Nach den vielversprechenden Ergebnissen der Pilotstudie planen wir von der Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland (GSD) eine größere Studie, um die hier beschriebenen Thesen zu belegen.



Schätze des Shiatsu

Im September 2017 ist mein neues Buch „Schätze des Shiatsu“ (erschienen im BOD Verlag als Paperback mit der ISBN 9783744832984 und als Hardcover mit der ISBN 9783743196539) erschienen, in dem der Erfahrungsschatz von neunzig in Tiefeninterviews befragten Shiatsu-Klientinnen und Klienten beschrieben wird. In den Interviews hat sich gezeigt, wie umfänglich und tief die Wirkungen sein können, die von Shiatsu-Berührungen ausgehen.


Barabara Murakami aus Düsseldorf wird uns im November (10./11.11.2018) in die verschiedenen Sprachen der Seele einführen. Dabei verbindet sie ihr Wissen aus der Psychosynthese mit ihren Erfahrungen als Shiatsu-Lehrerin. Sie gehört ja bald schon zum Inventar des Hauses.


Mitgliedschaft

Nicht neu, aber noch einmal erwähnenswert ist die Möglichkeit der Mitgliedschaft im Institut für energetische Körperarbeit und Kreativität mit einem selbstbestimmten Jahresbeitrag. Ab einem Jahresbeitrag von 100,- € sind die Meditationsabende kostenlos und außerdem gibt es auf alle Veranstaltungen des Instituts 10% Rabatt. Bei einem Mitgliedsbeitrag von 500,- € kosten alle Kurse nur noch die Hälfte. Das soll bei denjenigen, die ein intensives Kursjahr einlegen wollen, die Kosten in Grenzen halten.


Neuigkeitenbrief

Seit einigen Jahren versenden wir per E-Mail den Neuigkeitenbrief, in dem wir auf Änderungen im Programm, zusätzliche Angebote und andere Neuigkeiten hinweisen. Wenn Sie diesen „Brief“ bekommen möchten, geben Sie uns bitte Ihre E-Mail-Adresse (am besten ein E-Mail an ek@schrievers.net schicken), wenn Sie ihn bereits bekommen haben und nicht mehr möchten, lassen Sie es uns bitte wissen, wir nehmen Sie dann aus dem Verteiler.



Jahresthema:

„Achtsam durch das Jahr gehen“


Nicht nur die eigene Erfahrung, sonder auch weltweit durchgeführte Studien belegen die heilsame Wirkung von Achtsamkeitsübungen. Achtsamkeit ist die Fähigkeit, mit ganzer Aufmerksamkeit wahrzunehmen, ohne das Wahrgenommene zu bewerten. Sie führt uns nicht nur in einen Zustand innerer Ruhe (Meditation), sondern hilft uns auch, einen neuen Umgang mit uns selbst zu finden, unsere Kräfte verzehrenden Muster abzulegen und Neues zuzulassen. Die Basis der Achtsamkeit ist die Fähigkeit, sich selbst anzunehmen.

In diesem Sinne wollen wir in den verschiedenen Kursen tiefer in die Achtsamkeit hineingehen und im Rahmen des Jahresthemas einige der in ihr verborgenen Schätze heben, d.h. auch – so weit wie möglich – verstehen.

Im Folgenden möchte ich einen Text von meinem israelischen Kollegen Rami Yulzari anfügen, in dem es um die Achtsamkeit geht, mit dem wir jeden Augenblick und jede Situation füllen können. Besonders hat mich eine Stelle beeindruckt, in der ein Arzt bei einer Tagung seinen Kollegen berichtet, wie er von einer Frau gerufen wurde, deren Mutter gerade gestorben war. Er ging hin, stellte den Totenschein aus und rief einen Wagen, um den Leichnam abtransportieren zu lassen. Auf die Frage des Moderators, warum er das gemacht habe, antwortete der Arzt: „Weil sie tot war.“ Daraufhin fragte ihn der Moderator, warum er sich nicht einfach Zeit genommen habe, um mit der Tochter eine Tasse Tee zu trinken.

Eine Tasse Tee trinken – dem Augenblick geöffnet mit allem, was er offenbart: Trauer, Schmerz und daraus entstehend vielleicht Trost. Der Zustand der Achtsamkeit, in dem wir nicht wollen, denken und planen, erlaubt dem Leben, sich zu vollziehen. Darin kann Wandlung geschehen vom Schmerz in den Trost.


Achim Schrievers



Artikel

Der folgende Artikel erschien im Frühjahr 2018 in der Zeitschrift „Die Naturheilkunde“ (Ausgabe 3/18):


Shiatsu:

Achtsame, tiefe Berührung – mit therapeutischer Wirkung

Der Ursprung

Shiatsu („Fingerdruck“) ist eine Behandlungskunst, die vor etwa 100 Jahren in Japan entwickelt wurde und traditionell am bekleideten Menschen auf einem Futon ausgeführt wird, aber auch auf einer Liege oder einem speziellen Behandlungsstuhl gegeben werden kann. Seit ca. 40 Jahren hat sich Shiatsu auch im Westen etabliert und auf eine eigene Weise entwickelt.


Die Behandlung

Im Zentrum des Shiatsu steht die achtsame, in die Tiefe gerichtete Berührung verbunden mit sanften Dehnungen und Rotationen. Sie kann mit der ganzen Hand, den Daumen, Ellbogen oder Knien ausgeführt werden, großflächig oder punktuell, sanft oder kräftig, sehr angenehm, aber mitunter auch schmerzhaft sein. Die Qualität der Berührung entsteht in der Achtsamkeit der Shiatsu-PraktikerIn: Sie kann anregen oder beruhigen, verdichten oder verteilen. Sie kann längere Zeit an einer Stelle verweilen oder auch zügig von einem Punkt zum nächsten wandern ohne je hastig zu werden. Die Qualität der Berührung und was in ihr geschieht gehört zu den Geheimnissen des Shiatsu.

Eine Shiatsu-Behandlung dauert bis zu einer Stunde und findet weitgehend oder ganz in der Stille statt. Die KlientIn liegt meist mit geschlossenen Augen auf dem Rücken, der Seite oder dem Bauch und verfolgt mit ihrer Aufmerksamkeit die Berührungen und die von den Berührungen ausgehenden Veränderungen. Dabei tritt sie in einen „Behandlungszustand“ ein, der sich in vielem vom Alltagszustand unterscheidet. Durch das Schließen der Augen wird die Außenwahrnehmung reduziert, das innere Erleben rückt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Im Shiatsu verlässt die KlientIn die Ebene des Denkens bzw. denkenden Bewusstseins und betritt die Ebene des Spürens bzw. „spürenden Bewusstseins“. Sie erlebt sich in der Berührung auf eine neue Art und Weise – jenseits von Worten und jenseits von begrifflichem Verstehen. Im begleitenden Gespräch hilft die PraktikerIn, die gemachten Erfahrungen zu beleuchten, damit sich die Potenziale des wortlosen Erlebens auch auf der Ebene des Denkens entfalten können.


Kontakt

Ein wesentlicher Aspekt im Shiatsu-Geschehen ist der Kontakt: der Kontakt der KlientIn mit sich selbst, mit ihrem Körper, den Gefühlen, die in ihrem Körpergedächtnis gespeichert sind, mit den Lebensbewegungen, die sich angeregt durch die Berührungen zeigen, und mit den noch nicht entfalteten Potenzialen, mit den Wünschen und Sehnsüchten, die in ihrem Inneren verborgen liegen. Im Shiatsu hat die KlientIn die Chance, sich auf eine ganz neue Art zu erfahren und kennenzulernen.

Zum anderen ist aber auch der Kontakt zur PraktikerIn von besonderer Art. Indem sich KlientIn und PraktikerIn aufeinander einschwingen, entsteht ein Resonanzraum, in dem Heilung im Sinne von Ganzwerden auf natürliche Weise stattfinden kann. In diesem Resonanzraum beginnen KlientIn und BehandlerIn miteinander zu schwingen, wodurch es zu einem intensiven Austausch kommen kann: Die BehandlerIn kann so erspüren, welche Qualität von Berührung hier und jetzt, in diesem Moment hilfreich ist und die KlientIn kann am Erfahrungsfeld der Behandlerin teilhaben. Auch das geschieht jenseits von Worten und noch vor einem verstandesmäßigen Erfassen.


Die Behandlungs- und Wirkebenen

Die Shiatsu-Berührung ist zunächst einmal eine Körperberührung: Haut, Faszien, Muskulatur, Bänder, Sehnen und Gelenke werden durch Druck, Dehnungen und Rotationen sanft stimuliert und übertragen über die sensiblen Nervenfasern die gegebenen Impulse ins Zentralnervensystem. Was Berührung im Menschen bewirkt und welche Bedeutung das alles miteinander verbindende Geflecht der Faszien hat, hat die Wissenschaft gerade erst begonnen zu erforschen.

Neben dieser „vordergründigen“ Berührung geht es im Shiatsu aber vor allem um den Kontakt zum Energiesystem, die energetische Berührung. Behandelt wird großenteils entlang der Meridiane, der energetischen Leitbahnen unter Einbeziehung wichtiger energetischer Schlüsselpunkte, der Tsubos. Shizuto Masunaga, der im Westen wohl einflussreichste Shiatsu-Lehrer Japans, hat nach dem Zweiten Weltkrieg Shiatsu in den Kontext der alten chinesischen Medizin gestellt und damit das energetische Weltbild der chinesischen Weisheits- und Energielehre dem Shiatsu-Geschehen zugrunde gelegt.

Shiatsu umspannt grundsätzlich alle Ebenen des menschlichen Daseins: vom Körper bis in die tiefsten Seelenebenen. Wo die Schwerpunkte in einer Behandlung gesetzt werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab: von den Bedürfnissen und Voraussetzungen der KlientIn wie auch vom Interesse und der grundsätzlichen Ausrichtung der PraktikerIn. Meist spielt sich die Behandlung auf der Ebene ab, auf der beide „zu Hause“ sind. Anders als zum Beispiel in der klassischen Massage, in der es spürbar um die Muskeln, Gelenke, Bänder und Sehnen geht, geht es in der Shiatsu-Berührung immer um den Menschen selbst, um das, was ihn ausmacht und um die in ihm wirkenden Energien. Die KlientIn spürt, dass es nicht nur um ihren Fuß oder ihren Nacken geht, sondern um sie. Die Verspannungen, die sich z.B. im Schulter-Nacken-Bereich oder im unteren Rücken eingestellt haben, aber auch Schlafstörungen und Menstruationsbeschwerden werden nicht losgelöst von dem Menschen betrachtet und behandelt, der sie entwickelt hat. Im Shiatsu-Erleben offenbart sich die Verbundenheit von Körper, Geist und Seele, ja am Ende kann erfahren werden, dass Körper, Geist und Seele eine Einheit sind.


Wirkungen

Um mehr über die Wirkungen und das Wesen und Potenzial von Shiatsu zu erfahren, wurden in einem Projekt der Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland (GSD) knapp 90 leitfadengestützte kognitive, d.h. ein- oder mehrstündige Interviews mit KlientInnen geführt, in denen diese eingeladen waren, über ihr Erleben im Shiatsu und die Auswirkungen von Shiatsu in ihrem Leben zu berichten. In diesen Interviews offenbarte sich ein großes Spektrum an Erfahrungen auf unterschiedlichen Ebenen. Angefangen bei Veränderungen auf der Körperebene, dem Rückgang von Verspannungen, Unbeweglichkeit und Schmerzzuständen über das Entwickeln von Gelassenheit im Umgang mit den Herausforderungen des Lebens und das Lösen psychischer Verstrickungen bis hin zu transpersonalen Erfahrungen, die sich im Zustand der Tiefenentspannung einstellten. Oftmals stellten sich im Körper und im Leben der KlientInnen heilsame Veränderungen in Bereichen ein, die im Vorgespräch gar nicht erwähnt wurden, von denen die PraktikerIn gar nichts wusste. Viele der Befragten beschrieben einen Prozess, in dem sie ihren Körper, ihre Bedürfnisse und sich selbst besser und tiefer wahrnehmen lernten mit Auswirkungen für ihre körperliche und psychische Gesundheit und in den Bereich ihrer sozialen Kontakte hinein. Manche KlientInnen beschrieben gar einen Prozess, indem sie das Gefühl hatten sie selbst geworden zu sein, ihre eigentliche Identität gefunden zu haben.

In diesem Interview-Projekt wie auch in der Erfahrung vieler Shiatsu-PraktikerInnen wurde deutlich, dass Shiatsu nicht in die gängigen Kategorien westlichen Denkens eingeordnet werden kann, zumindest nicht, wenn man ihm wirklich gerecht werden will. Wie aber kann man Shiatsu dann begreifen, wie ist erklärbar, dass sich körperliche und psychische Probleme lösen, ohne dass die Betroffenen mit ihrer Behandlerin darüber gesprochen haben?


Ki (Qi)

Wenn wir wirklich verstehen wollen, was im Shiatsu geschieht, müssen wir uns mit dem Ki beschäftigen. Ki (chinesisch Qi), wird im Allgemeinen als Lebenskraft oder Lebensenergie übersetzt. Während das Ki intellektuell als ein Modell bzw. Konzept aufgefasst werden kann, ist es für die geübte Shiatsu-PraktikerIn (wie auch für Qigong-Übende) eine erfahrbare Realität und für manch einen Wissenschaftler ist es schlichtweg nicht vorhanden, weil man es immer noch nicht unmittelbar messen oder nachweisen kann.

Das Ki ist die Kraft bzw. Energie, die sich hinter allen Lebensvorgängen in unserem Organismus verbirgt, die das sich in jedem von uns vollziehende Wunder an Selbstregulation vollbringt. Aber das Ki ist nicht nur der Treibstoff für sämtliche Stoffwechselprozesse, sondern beinhaltet auch ein Informationsfeld, das sich hinter der Steuerung aller chemischen, elektrischen, mechanischen und energetischen Prozesse in unserem Inneren verbirgt. Im Erleben des Ki sind Körper, Geist und Seele nicht getrennt, d.h. wenn das Ki-Feld bzw. der Ki-Fluss sich verändert, verändert sich das ganze Körper-Geist-Seele-System. In diesem Ki-Feld sind alle Informationen enthalten, die zum reibungslosen Ablauf der Lebensvorgänge notwendig sind und, sollte das System einmal aus dem Gleichgewicht geraten und der Mensch krank geworden sein, so ist in seinem Schwingungsfeld auch das Potenzial für die Heilung vorhanden. Aber nicht nur das wundersame Geschehen in unserem Immunsystem, sondern auch die Selbstheilungskräfte in unserer Seele haben ihren Ursprung in diesem zwar unsichtbaren, aber erfahrbaren Ki-Geschehen.

Im Shiatsu ist es also nicht die BehandlerIn, die heilt, sondern das Ki. Die BehandlerIn unterstützt „lediglich“ das Ki darin seine Arbeit zu tun; denn wenn es aus irgendwelchen Gründen gestaut ist und nicht fließen kann, kann es seine heilsamen und ordnenden Wirkungen auch nicht entfalten, so wie eine Wunde am Fuß nicht heilen kann, wenn die Durchblutung gestört ist. Die Kunst der Shiatsu-PraktikerIn besteht darin, das Ki wahrzunehmen, seine Qualität und seinen Zustand zu erspüren und ihm mithilfe achtsamer Berührung den für seine Entfaltung notwendigen Raum zu öffnen. Beginnt das Ki sich im Menschen wieder zu entfalten, dann beginnen sich auch das Leben im Menschen und der Mensch sich im Leben zu entfalten.

Wenn wir Shiatsu auf seine medizinischen Wirkungen reduzieren, werden wir seinem Wesen nicht gerecht. Shiatsu unterstützt das Leben bei seiner Arbeit und wirkt damit in alle Lebensbereiche hinein; es hilft der KlientIn, sich in ihre eigene Tiefe hinein zu entspannen und schafft so Zugang zu inneren Ressourcen wie dem Erleben von Geborgenheit und Vertrauen, aus dem dann mit der Zeit Selbstvertrauen wachsen kann. Es gehört zu den Merkmalen von Shiatsu, dass es zwar keine Therapie im engeren Sinne ist, aber trotzdem vielfältige therapeutische Wirkungen hervorbringen kann. So kann Shiatsu z.B. Menschen in seelischen Krisen helfen, wieder in einen guten Selbstkontakt und zu Erdung und Zentrierung zurückzufinden, und es kann bei psychosomatischen sowie bei allen durch Stress hervorgerufenen Beschwerden helfen. Interessant ist, dass sich oft auch Beschwerden verbessern, über die die Klienten mit ihrem Behandler gar nicht gesprochen haben. Wenn sich das gesamte Körper-Geist-Seele-System neu ausbalanciert, ziehen sich die Beschwerden, die als Folge inneren Ungleichgewichts entstanden sind, von alleine zurück.


Östliche Tradition und Wissen des Westens

Shiatsu kann im Rahmen der in Jahrtausenden gewachsenen östlichen Tradition und ihrem energetischen Verständnis angewandt und erklärt werden. Yin und Yang, das System der Fünf Wandlungsphasen, die energetischen Funktionskreise und Leitbahnen und die Bedeutung der Akupunkturpunkte können der Shiatsu-PraktikerIn eine Art Leitfaden für die Behandlung sein.

Wir können das Shiatsu-Geschehen aber auch aus der Perspektive der westlichen Medizin (z.B. der Hirnforschung) und Psychologie betrachten. Westliche Wissenschaftler haben sich seit einigen Jahrzehnten daran gemacht, die lebensfördernde Kraft zu erforschen, die in der Übung der Achtsamkeit entsteht. Achtsamkeit wurde in den religiösen Traditionen des Ostens wie des Westens gepflegt und kultiviert. Wie Shiatsu ist auch die Anleitung von Achtsamkeitsübungen keine Therapie im engeren Sinne, entfaltet aber vielfältige therapeutische Wirkungen. Dies konnte in unzähligen Studien belegt werden.

Achtsamkeit, eine nach innen gerichtete Sammlung des Geistes, spielt auch im Shiatsu eine große Rolle. Die BehandlerIn schafft durch ihre Achtsamkeit in der Berührung eine Atmosphäre, in der auch die KlientIn eingeladen ist, in den Zustand der Achtsamkeit zu kommen, sich wachen Geistes in ihrem Körper zu erfahren und in Resonanz mit dem Leben und den Lebensbewegungen (Ki-Bewegungen) zu treten. Hier könnte ein Schlüssel zum Verständnis der vielfältigen Veränderungen sein, die sich als Folge von Shiatsu-Behandlungen einstellen. Sich mit diesem Thema noch ausführlicher zu beschäftigen, ist interessant, würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen.


Die Bedeutung von Shiatsu für die heutige Gesellschaft

Ein Problem unserer modernen Gesellschaft ist, dass sich immer mehr Menschen durch Technisierung, Beschleunigung und Arbeitsverdichtung von ihrem Körper, ihren Bedürfnissen und ihren Gefühlen entfremden. Der Körper sendet Signale, wenn er in ein Ungleichgewicht gekommen ist: Wir bekommen Hunger und Appetit auf etwas bestimmtes, wenn wir die entsprechenden Nährstoffe brauchen, wir werden müde, wenn es Zeit für eine Pause ist, und wir bekommen Lust auf Bewegung und frische Luft, wenn unser System in eine Stagnation zu drohen kommt. Wenn wir aber all das nicht mehr wahrnehmen, kann sich auch kein natürlicher Ausgleich mehr einstellen und unser von der Natur mitgegebenes Navigationssystem baut sich langsam ab. Die Folgen für Körper, Geist und Seele sind vielfältig und können durch zeit- und kostenaufwendige medizinische und therapeutische Maßnahmen nur zum Teil ausgeglichen werden. Wie viele therapeutische Maßnahmen könnten unnötig werden, wenn die Selbstregulation sich wieder verbessern würde?!


Die Ausbildung zur Shiatsu-PraktikerIn

Die 1992 gegründete Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland e.V. (GSD) hat als Berufs- und Interessenverband Qualitätsstandards für die Ausbildung von Shiatsu-PraktikerInnen entwickelt. Während einer mindestens dreijährigen Ausbildung mit 500 Zeitstunden werden praktische Erfahrung und theoretisches Wissen in die eigene Entwicklung integriert. Die Ausbildung erfolgt in von der GSD anerkannten Schulen bzw. bei von der GSD anerkannten Shiatsu-Lehrern.


Zum Autor:

Joachim Schrievers, geboren 1955, lernte nach dem Studium der Sportwissenschaften bei einem zweijährigen Studienaufenthalt in Tokio (1979 – 1981) Shiatsu, Taiji, Qigong und Zen-Meditation kennen. Als Shiatsu- Qigong- und Taiji-Lehrer hat er sich seitdem der Erforschung des Qi gewidmet.


Literatur zum leitfadengestützten Interviewprojekt:

 Broschüre: „Wesen und Potenzial von Shiatsu: Was KlientInnen berichten“, für 2,- € erhältlich bei der Geschäftsstelle der GSD, Eimsbütteler Str. 53-55, 22769 Hamburg

 Joachim Schrievers, „Schätze des Shiatsu“, BoD Norderstedt 2017 ISBN:9783744832984